Entwicklung und Geschichte

Liebe Kleingärtnerinnen und Kleingärtner!

Ein Gespräch über den Gartenzaun, gemeinsam Feste feiern,
die gemeinschaftliche Arbeit mit anderen,
langjährige Gartennachbarschaft geben die
Geborgenheit einer sozialen Gemeinschaft.
Arbeitslose und Frührentner erfahren hier, dass
sie noch gebraucht werden. Für Berufstätige ist die Arbeit
im Kleingarten die natürliche Entspannung,
für den Stadtmenschen die Brücke zur Natur.


 Rechtliche Stellung, Gemeinnützigkeit

Im Unterschied zu Grabeland und Wochenendgrundstücken
sollten Kleingartenflächen als Dauerkleingartenanlagen baurechtlich
abgesichert sein. Die Definition eines Kleingartens im Sinne des
Bundeskleingartengesetztes ist dort in § 1 formuliert.
In engem Zusammenhang mit der Definition des Kleingartens
steht die Anerkennung der kleingärtnerischen Gemeinnützigkeit
des Kleingärtnervereins durch die zuständige Landesbehörde.
Durch diese Anerkennung genießt der Verein den Schutz der Pachtpreisbindung
und kann darüber hinaus Zuschüsse des Landes und/oder der
Städte und Gemeinden in Anspruch nehmen. Eine gute Voraussetzungen für die
Anerkennung der kleingärtnerischen Gemeinnützigkeit, aber keine zwingende Notwendigkeit,
stellt die Anerkennung der steuerlichen Gemeinnützigkeit des Vereins
oder des Verbandes durch das zuständige Finanzamt dar.
Die steuerliche Gemeinnützigkeit beinhaltet wesentliche Vergünstigungen,
die Organisation kann Spenden in Empfang nehmen,
die beim Spender abzugsfähig sind und dafür auch Spendenquittungen ausstellen.

Kurzfassung der Entwicklung und Geschichte des Kleingartenwesens


Kleine Gärten gibt es schon seit tausenden von Jahren.
Die Gründung des 1. deutschen Kleingärtnervereins wird auf das Jahr 1814 in Kappeln
an der Schlei im heutigen Schleswig-Holstein datiert. Dieser Verein entstand aus der
Idee der Armengärten des Landgrafen Carls von Hessen, der bereits Ende des 18. Jhd.
parzelliertes Land zur Anlage von Gärten vergab. Weitere Wurzeln der Kleingärtnerei
werden in der Schreber- und Naturheilbewegung ab Mitte des 19. Jhd. gesehen.
Sowohl hier als auch bei den aufkommenden Arbeiter- und Fabrikgärten stellten
gesundheitliche Aspekte z. Z. der Industriellen Revolution eine wichtige
Motivation für Vereinsgründungen dar.

In den Anfängen des 20. Jhd. etablierten sich die kleingärtnerischen Organisationen
immer besser und 1921 beschloss der 2. Reichs-Kleingärtnertag die Satzung des
"Reichsverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands" mit den drei Verbandsfarben
Grün der Hoffnung, Gelb der Lebensfreude und Weiß der Parteilosigkeit. 1926 wurde
die 1. internationale Organisation das Office International de Coin de Terre et des
Jardins ouvriers mit Teilnehmern aus 7 europäischen Ländern gegründet.

Mit Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde auch versucht,
das Kleingartenwesen in ihre Herrschaftsstrukturen und ideologischen
Vorstellungen einzubinden. Es wurde straff durchorganisiert und wie überall
auf Parteitreue geachtet. Aufgrund der eher "linken" und demokratischen Einstellung
der traditionell mehr aus Arbeiterfamilien stammenden Kleingärtner,
gelang das aber nicht uneingeschränkt. Ungenügender gesetzlicher Kündigungsschutz
führte zu einem starken Rückgang der Kleingärten in Deutschland bis Kriegsbeginn.
Erst dann und weiter verbessert mit Ende des Krieges, wurde ein gesetzlicher Kündigungsschutz
für Kleingärten etabliert, der bis heute in modifizierter Form Gültigkeit hat.
In der Kriegszeit dienten die Kleingärten in existenzieller Art der
Ernährungssicherung und Notunterkunft. Vom Förderverein
Deutsches Kleingärtnermuseum in Leipzig e. V. wurde zu diesem Thema
aktuell die Broschüre Deutschlands Kleingärtner im Dritten Reich herausgegeben.

Nach dem Krieg wurde das Kleingartenwesen und dazugehörige Organisationen
wieder auf- und ausgebaut. In Zusammenarbeit mit Landes- und Bundesministerien
kann mit Beginn der 50er Jahre u. a. durch Wettbewerbe die soziale, städtebauliche
und ökologische Bedeutung des Kleingartenwesen in der Öffentlichkeit
deutlich gemacht werden. Aktualisierung erfährt das Kleingartenrecht 1983
durch die Verabschiedung des Bundeskleingartengesetzes.

Ab 1990 wurde das Kleingartenwesen in Ost und West zunehmend unter
der Schirmherrschaft des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde
e. V. zusammengeschlossen. Gärtnerische Nutzung, Familie, Freizeit,
Natur, Umwelt und Kleingartenrecht sind heute Themen für die Fachberatung
und Schulungsveranstaltungen der bundesdeutschen und internationalen
kleingärtnerischen Organisationen ebenso wie die Öffentlichkeitsarbeit (Katsch und Walz, 1997)